Der neue EU-Widerrufsbutton: Was Ihr Shopify-Shop erfüllen muss 🇪🇺
Jan Němec
Ab dem 19. Juni 2026 gilt eine neue EU-Regel: Jeder Online-Shop, der an Verbraucher in der EU verkauft, muss auf seiner Website einen leicht zugänglichen „Widerrufsbutton" anbieten. Das ist kein neues Recht – die 14-tägige Widerrufsfrist gibt es schon seit Jahren. Neu ist, dass Kunden eine einfache Online-Möglichkeit haben müssen, sie auszuüben. In diesem Artikel erklären wir, was das Gesetz genau verlangt, für wen es gilt, welche Strafen bei Nichteinhaltung drohen und wie Sie es in der Praxis auf Shopify umsetzen.
Was ändert sich am 19. Juni 2026?
Die EU-Richtlinie 2023/2673 führt eine verpflichtende elektronische „Widerrufsfunktion" ein – in der Praxis einen klar sichtbaren Button oder Link, über den ein Kunde genauso einfach widerrufen kann, wie er bestellt hat. Die Regel baut auf dem bestehenden 14-tägigen Widerrufsrecht auf und vereinheitlicht, wie der Kunde es ausübt.
Für wen es gilt (und für wen nicht)
Jeder Shop, der an Verbraucher in der EU verkauft — unabhängig vom Sitz des Unternehmens; es genügt, dass Sie Kunden in einem EU-Land ansprechen.
B2B-Verkäufe sind ausgenommen — die Pflicht gilt nicht für Verträge zwischen Unternehmen.
Ausnahmen vom Widerrufsrecht — wo gesetzlich kein Widerrufsrecht besteht, brauchen Sie auch keinen Button; das betrifft insbesondere maßgefertigte und personalisierte Waren, schnell verderbliche Waren, entsiegelte Hygieneartikel und digitale Inhalte, deren Download der Kunde nach ausdrücklicher vorheriger Zustimmung und der Bestätigung des Verlusts seines Widerrufsrechts begonnen hat.
In Shopify können Sie zudem bestimmte Produkte oder Kollektionen als „final sale" markieren – Kunden können dafür dann über das Portal keine Rücksendung oder Stornierung anfordern. Das ist der praktische Weg, um maßgefertigte Waren oder etwa eine als eigenes Produkt abgebildete Nachnahmegebühr auszuschließen, die allein zurückzugeben keinen Sinn ergibt. Der Schalter ist aber nur der Mechanismus – die gesetzliche Ausnahme gilt dort, wo die Ware tatsächlich qualifiziert (z. B. wirklich maßgefertigt oder personalisiert), nicht weil Sie sie als final sale markiert haben.
Shopify Final sale items – von Self-Service-Rücksendungen und -Stornierungen ausgeschlossene Produkte (ein maßgefertigtes Snowboard und eine Nachnahmegebühr)
Was der Button genau können muss
Damit die „Widerrufsfunktion" der Richtlinie entspricht, muss sie vier Anforderungen erfüllen:
Prominent platziert und leicht erreichbar — der Button oder Link muss klar gekennzeichnet, leicht zugänglich und nicht hinter unverhältnismäßigen Schritten versteckt sein; bei einem Gast-Checkout-Kauf kann ein erzwungenes Konto-Login ein solcher Schritt sein.
Zweistufige Bestätigung — der Kunde klickt zuerst auf „Vom Vertrag widerrufen", gibt seinen Namen und eine Bestellreferenz ein und bestätigt dann mit einem Button „Widerruf bestätigen".
Automatische Bestätigungs-E-Mail — nach dem Absenden muss der Shop dem Kunden ohne unnötige Verzögerung eine Empfangsbestätigung auf einem dauerhaften Datenträger (in der Regel per E-Mail) senden, mit Eingangszeitpunkt und Inhalt des Widerrufs.
Während der gesamten Frist verfügbar — die Funktion muss die vollen 14 Tage, in denen der Kunde widerrufen kann, auf der Website verfügbar sein.
Wie Sie es auf Shopify umsetzen — 3 Wege
Shopify hat dazu eigene Empfehlungen und Tools veröffentlicht – im Wesentlichen haben Sie drei Wege: den kostenlosen nativen Self-Service-Ablauf, ein login-freies Formular aus kostenlosen Shopify-Tools oder eine spezialisierte geprüfte App. Im Folgenden erklären wir, wie jeder Weg funktioniert und welche Vor- und Nachteile er hat.
1) Native Shopify-Tools (kostenlos)
Shopifys eingebaute Self-serve returns and cancellations decken den Kern dessen ab, was die Richtlinie verlangt – automatisch und kostenlos. In drei Schritten eingerichtet:
Aktivieren Sie Self-serve returns and cancellations (Settings → Customer accounts) und legen Sie die Bedingungen in den Return and cancellation rules fest.
Shopify-Kundenkonto-Einstellungen – der Schalter Self-serve returns and cancellations aktiviert, mit der Option Return and cancel requests
Regeln je Markt festlegen. Für die EU aktivieren Sie Rücksendungen mit einer 14-tägigen Frist ab Zustellung; für Märkte außerhalb der EU können Sie Rücksendungen abgeschaltet lassen, sodass die Option dort gar nicht angeboten wird.
Regel für den EU-Markt: 14-tägige Rücksendefrist ab ZustellungRegel für einen Nicht-EU-Markt: keine Rücksendungen, Stornierung nur bis zur Erfüllung
Ergänzen Sie im Footer einen sichtbaren Link „Vom Vertrag widerrufen", der auf die Bestellübersicht im Kundenkonto verweist, damit die Option leicht zu finden ist.
Ein Link „Withdrawal from Contract" im Shop-Footer unter Customer support
Der Kunde fordert es dann aus seinem Konto an; die Anfrage landet in Ihrem Admin, Shopify sendet ihm automatisch eine Bestätigungs-E-Mail, und Sie bearbeiten sie dort – viel übersichtlicher, als ein freies Formular mit Bestellnummer zu entziffern.
Kundenansicht – die Shopify-Seite „Return items": der zurückzugebende Artikel, Grund und geschätzter Betrag; das maßgefertigte Produkt ist als „Final sale" nicht erstattungsfähigAutomatische Bestätigungs-E-Mail von Shopify an den Kunden nach einer Anfrage – „Your refund request has been sent" mit Bestellnummer und Rücksendeübersicht
Ein Haken: Der gesamte Ablauf führt über eine Kundenkonto-Anmeldung – keine zusätzliche Hürde, wenn Ihr Shop ein Konto verlangt, aber bei Gast-Checkout eine Grauzone.
Plus: vollautomatisch und kostenlos – ideal, wenn Ihr Shop ohnehin ein Konto verlangt. Minus: der Einstieg liegt hinter einem (leichten) Login – bei Gast-Checkout eine Grauzone.
2) Ein login-freies Formular
Überwiegend aus kostenlosen Shopify-Tools (Shopify Forms) gebaut und ohne Login erreichbar:
Erstellen Sie in Shopify Forms ein Formular mit den Feldern Name, E-Mail und Bestellnummer (ein Grund-Feld ist optional – ein Widerruf erfordert keine Begründung). Stellen Sie die Marketing-Einwilligung auf nicht abonnieren – eine Widerrufsanfrage ist keine Marketing-Zustimmung.
Ein eigenes Formular „Withdrawal from the Contract" in Shopify Forms mit Feldern für Name, E-Mail, Bestellnummer und Grund – rechts die Vorschau des login-freien Formulars
Platzieren Sie das Formular auf einer eigenständigen, öffentlichen Seite (z. B. /pages/widerruf), die ohne Login erreichbar ist, und aktivieren Sie die E-Mail-Benachrichtigungen („Send an email for each submission to this form"), damit Sie über jede Anfrage per E-Mail informiert werden – sie geht an die im Shop hinterlegte Geschäftsadresse (kein Shopify Flow und keine zusätzliche App nötig).
Das Widerrufsformular live auf einer öffentlichen Shopify-Seite (/pages/widerruf) – Name, E-Mail, Bestellnummer, optionaler Grund und Notiz, mit „Send request"-Button – ohne Login erreichbar
Verlinken Sie sie gut sichtbar im Footer (und in Ihren AGB), damit die Option leicht zu finden ist.
Ein Link „Withdrawal from Contract" im Shop-Footer unter Customer support
Der Kunde braucht aber die Bestätigung auf einem dauerhaften Datenträger – eine On-Screen-„Danke"-Meldung zählt nicht (nicht dauerhaft). Senden Sie sie als transaktionale E-Mail: Wenn Sie bereits eine E-Mail-Plattform wie Ecomail oder Klaviyo nutzen, verwenden Sie deren transaktionale Nachricht – transaktional ≠ Marketing, also ohne Einwilligung und ohne Abmelde-Footer, und ohne Mehrkosten, wenn Sie die Plattform schon haben. Lösen Sie sie über das Absende-Event aus – in Shopify Flow der Trigger „Metaobject entry created" → die track event-Aktion Ihrer Plattform, als transaktionale Nachricht gesendet.
Shopify Flow: Trigger „Metaobject entry created" (Withdrawal Request) löst die Klaviyo-Aktion „Track an Event" aus – der ereignisbasierte, transaktionale Weg, dem Kunden die Bestätigung zu senden
Keine solche Plattform? Eine kleine Transaktions-E-Mail-App leistet dasselbe. (Senden Sie sie nicht über den Marketingkanal und erzwingen Sie keine Marketing-Einwilligung nur zum Versand – das ist ein DSGVO-Problem; bei sehr geringem Volumen können Sie auch von Hand antworten.) Die Stornierung oder Rückerstattung führen Sie dann im Admin durch, von wo Shopify dem Kunden das Ergebnis kostenlos mailt.
Plus: echt ohne Login, überwiegend aus kostenlosen Shopify-Tools gebaut. Minus: die automatische Bestätigung auf einem dauerhaften Datenträger ist nicht kostenlos-nativ – entweder manuell (nur bei geringem Volumen) oder über eine transaktionale Plattform (Ecomail/Klaviyo); ohne eine solche zahlen Sie am Ende wahrscheinlich ohnehin für ein Tool.
3) Eine geprüfte App
Wenn Sie nichts selbst bauen möchten, gibt es Apps speziell für den Widerrufsbutton – sie ergänzen einen login-freien Button, ein zweistufiges Formular und eine automatische Bestätigungs-E-Mail im Einklang mit der Richtlinie. Eine davon ist Revoq – EU Withdrawal Button; einige Cookie-Banner-/DSGVO-Apps haben die Funktion ebenfalls neu ergänzt (z. B. Pandectes GDPR Compliance, das aber primär ein Cookie-Banner-Tool ist).
Plus: in wenigen Klicks fertig – login-frei, zweistufig und mit konformer Bestätigung ab Werk. Minus: monatliche Kosten. Wenn aber Weg 2 ohnehin eine kostenpflichtige App für die Bestätigung bräuchte, ist eine spezialisierte App von Anfang an die sauberste Wahl.
Vergessen Sie Ihre AGB nicht
Welchen Weg Sie auch wählen: Beschreiben Sie das Widerrufsrecht und seine Ausnahmen in Ihren AGB. Wenn Sie maßgefertigte Waren oder andere Produkte verkaufen, die unter die gesetzlichen Ausnahmen fallen, geben Sie das klar an – so vermeiden Sie Streitigkeiten und unnötige Anfragen.
Und was auf dem Spiel steht, wenn Sie es nicht umsetzen
Verlängerte Frist — wenn Sie den Kunden nicht ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht informieren, verlängert sich die Frist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage, sodass der Kunde die Ware viel später zurückgeben kann.
Geldbußen — bei weitreichenden, grenzüberschreitenden Verstößen drohen Geldbußen von bis zu 4 % des Jahresumsatzes (in einigen Mitgliedstaaten gelten höhere Obergrenzen).
Abmahnungen — von Wettbewerbern und Verbraucherschutzorganisationen.
Zusammenfassung
Ab dem 19. 6. 2026 müssen Sie einen sichtbaren Widerrufsbutton anbieten.
Er muss gut sichtbar und leicht erreichbar sein, zweistufig (Name und Bestellung → Bestätigung) und eine automatische Bestätigung auf einem dauerhaften Datenträger (E-Mail) senden.
Shopify nativ ist schnell, kostenlos und deckt die Grundmechanik ab; legen Sie Regeln je Markt fest (EU = 14 Tage, außerhalb der EU auch ohne Rücksendungen möglich). Ein Login ist in Ordnung, wenn Ihr Shop ein Konto voraussetzt – bei Gast-Checkout ist es eher eine Grauzone.
Ein login-freies Formular (Shopify Forms) braucht kein Login und ist überwiegend kostenlos, aber die automatische Bestätigung läuft meist über eine transaktionale E-Mail-Plattform (oder eine kostenpflichtige App).
Eine geprüfte App ist der schnellste fertige Weg – kostenpflichtig, aber direkt konform.
Vergessen Sie nicht Ihre AGB und die Ausnahmen (maßgefertigte Waren usw.).
Dieser Artikel dient nur zur Information und ist keine Rechtsberatung. Konsultieren Sie zu Ihrer konkreten Lösung und den Ausnahmen einen Anwalt.
Frequently Asked Questions
Es ist eine verpflichtende elektronische Funktion, die mit der EU-Richtlinie 2023/2673 ab dem 19. Juni 2026 eingeführt wird. Es handelt sich um einen klar gekennzeichneten Button oder Link im Shop, über den ein Verbraucher sein bestehendes 14-tägiges Widerrufsrecht einfach ausüben kann. Es ist kein neues Recht – nur eine neue, standardisierte Möglichkeit, es online auszuüben.
Das hängt davon ab, wie der Kauf in Ihrem Shop abläuft. Die nativen Self-Service-Rücksendungen decken die Mechanik und die automatische Bestätigungs-E-Mail ab. Wenn Ihr Shop ein Konto zum Kauf voraussetzt, ist ein Login beim Widerruf in Ordnung. Wenn Sie aber Gast-Checkout zulassen, ist das Login ein zusätzlicher Schritt – und die Richtlinie will, dass der Widerruf mindestens so einfach wie der Kauf ist. Ergänzen Sie dann einen login-freien Einstieg (einen Footer-Link zu einem öffentlichen Formular), eine geprüfte App oder eine eigene Lösung.
Ja. Die Pflicht gilt für jeden Shop, der an Verbraucher in der EU verkauft, unabhängig davon, wo das Unternehmen ansässig ist. Entscheidend ist, dass Sie Kunden in einem EU-Mitgliedstaat ansprechen. Sie gilt nicht für reine B2B-Verkäufe zwischen Unternehmen.
Bei Waren beginnt die Frist in der Regel an dem Tag, an dem der Verbraucher (oder eine von ihm benannte Person) die Ware in Besitz nimmt. Bei Dienstleistungen und digitalen Inhalten beginnt sie mit Vertragsschluss. Wenn Sie den Kunden nicht ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht informieren, verlängert sich die Frist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage.
Nein. Sie brauchen den Button nur dort, wo tatsächlich ein Widerrufsrecht besteht. Die gesetzlichen Ausnahmen – insbesondere maßgefertigte und personalisierte Waren, schnell verderbliche Waren, entsiegelte Hygieneartikel und digitale Inhalte, deren Download der Kunde nach ausdrücklicher vorheriger Zustimmung und der Bestätigung des Verlusts seines Widerrufsrechts begonnen hat – haben kein Widerrufsrecht, sodass dort kein Button erforderlich ist. Beschreiben Sie diese Ausnahmen stets auch in Ihren AGB.